von Volker Wille Es geschah während des sogenannten VOR-UL im Jahr 1974, als diese zwei ersten Wochen des Unteroffizierslehrgangs noch in Neu Tramm stattfanden. Man versuchte also aus uns richtige Soldaten zu machen. Eine unruhige Nacht in Neu-Tramm Wir lagen im Halbschlaf in der Stube in einem Block, welcher es war, weiß ich heute nicht mehr. Irgendwo am Rondell?? Der Tag davor war anstrengend gewesen, mit Formalausbildung, diversen Unterrichten usw.Das sollte es nicht gewesen sein. Die Stille der Nacht wurde jäh unterbrochen durch ein Musikstück, welches Filmfreunde sofort erkennen, eine Mundharmonika spielte den Ervergreen "Spiel mir das Lied vom Tod"... der Song erschallte von einer auf dem Gang aufgebauten Stereo-Anlage, in einer Lautstärke, die heute jede Polizeistreife sofort veranlassen würde, diese Ruhestörung zu verhindern. Aber nicht bei uns, kaum war der letzte Ton verklungen, wurden die Stubentüren aufgerissen und ein infernalisches Gebrüll ließ uns in einer rekordverdächtigen Zeit vor dem Block im Kampfanzug mit Sturmgepäck antreten. Eine unromatische Wanderung durch die waldreiche Umgebung schloss sich an. Dann wieder Einzug in die Stuben, alles vorschriftsmäßig verstaut, begaben wir uns zur Ruhe in der Hoffnung nun bis zum nächsten Morgen durchschlafen zu können. Die Hoffnung war trügerisch. Plötzlich ein infernalischer Lärm auf dem Gang, diesmal völlig unmusikalisch schlich sich brutal in unseren Traum von besseren Zeiten. Ursache war eine Kegelkugel, die ohne Hoffnung auf alle Neune den Steinfußboden des Flures entlangrollte. Wieder standen wir senkrecht in unseren Betten mit der erneuten Gelegenheit die Umgebung der Kaserne in voller Ausrüstung zu erkunden. Nach dem Spaziergang konnten wir aber dann bis zum frühen Morgen durchschlafen. Wissenslücken während der Formalausbildung Am heutigen Tage nahmen wir das Fach Formalausbildung durch. Der Unterricht fand, wie erwartet, im Freien statt. Ein freundlicher Stabsunteroffizier  mit Berliner Dialekt, dessen Namen ich leider vergessen habe, befehligte uns durch die Kaserne und wir ließen uns von den einstudierten Kommandos kurz und knapp in die gewünschte Richtung lenken, allerdings ohne Gesang. Auf einmal hatte der Herr Stabsunteroffizier die lustige Idee die Kommandogewalt einmal aus den Händen zu geben und die verbale Steuerung des Zuges Einem von uns zu übergeben. Nach dem die Steuerung der Marschordnung durch uns selbst recht gut funktionierte, kam ich als Kommandogeber an die Reihe. Gleich zu Anfang sollte eine 180 Grad-Drehung ausprobiert werden. Doch wie lautet das Kommando??? Damals gab es den Telefon-Joker einer Quizsendung noch nicht und ich überlegte fieberhaft wie es denn lautet. Der Herr Stabsunteroffizier nahm schon wieder diesen unwirschen Gesichtsausdruck an und ich platzte deshalb zaghaft heraus....."VORUL....Kehrt uuuuuummmm". Den überraschten Gesichtsausdruck des Stabsunteroffiziers mit dem Ausruf  "Glech schmees ich meen Schiffchen" flog auch schon selbiges vor uns in hohem Bogen auf den Boden. Der Stuffz war nun völlig verunsichert, er wusste nicht recht ob er lachen oder brüllen sollte. Ich glaube er tat beides. An diesem Tag habe ich mir noch recht lange die Kommandos im Selbststudium bis zum Zapfenstreich gründlich eingeprägt. Die Kaserne in Neu-Tramm war eine der Schönsten,  die ich in meiner Soldatenzeit kennengelernt habe. PS Den OStfw Wittkowski haben wir auch kennengelernt, ich erinnere mich noch an seinen Satz: Wer hier nicht spurt, der kommt zurück zur Einheit... als Postpaket ohne Wert!!! Volker Wille Ofw d.R. Beobachtungsfunkmeister FmSkt C Osterode 1974 -1993